Da der Bauherr als halber Informatiker doch eine gewisse Affinität gegenüber Elektronik, Technik und Multimedia aufweist, war von Anfang an klar, dass die Basis-Elektroausstattung nie im Leben reichen würde. Ohnehin ist diese so gut wie bei jedem Hausanbieter deutlich zu klein dimensioniert. Gerade im Wohnzimmer reicht die Anzahl an Steckdosen nicht ansatzweise aus, wenn man bedenkt, dass allein hinter dem Fernseher gut und gerne 8 Steckdosen benötigt werden können (Fernseher, Verstärker, Subwoofer, SAT-Receiver, Spielekonsole, Multimedia-Player, BluRay-Player, eine als Reserve). Irgendwie wird doch alles digitaler und smarter. Selbst Backofen, Spülmaschine und Waschmaschine lassen sich mittlerweile vernetzen. Warum denn dann auch nicht der Rest vom Haus.
Demzufolge war klar, was unsere zukünftige Behausung unbedingt ein SmartHome werden soll. Dabei bedeutet „smart“ nicht, dass ich das Licht per App an und aus knipsen kann. Was wir uns erhoffen, ist ein Zuwachs an Komfort. Komfort im Sinne von: Sind beim Verlassen des Hauses alle Fenster zu? Hab ich den Herd ausgemacht? Im Sommer fahren automatisch Rolladen runter, damit sich das Haus nicht übermäßig aufheizt, ebenso wie bei Regen und starken Wind. Wenn ich einen Film auf dem Beamer sehen möchte, genügt ein Knopfdruck und das Licht geht aus, die Rolladen verdunkeln den Raum, die Leinwand fährt herunter, der Beamer geht an. Und das nicht über das Drücken von zig Fernbedienungen und Knöpfen…
Weitere Ausführungen zu dieser Thematik, die ich ebenso teile, aus Berlin von John,
Einfacher gesagt als getan. Der Markt an Lösungen wird immer größer. Demnach gibt es eine Vielzahl von Anbieter und Systemen, die man verbauen kann. Viele Stellen jedoch leider nur Insellösungen dar, die nur in sich selbst und unter sich funktionieren. An dieser Stelle sei gesagt, dass hier jetzt keine vollständige Analyse sämtlicher Lösungen kommt. Vielmehr sollen hier unsere Beweggründe und entscheidungsweisenden Erfahrungen geschildert werden.

Grundsätzlich haben wir uns die Frage gestellt, ob verkabelt oder nicht. Da wir komplett neu bauen und nicht renovieren, wurde diese zentrale Fragestellung mit: kabelgebunden! beantwortet. Fast alle Geräten senden irgendwas auf irgendwelchen Frequenzen. Klar, wird das alles immer zuverlässiger und sicherer. Jedoch hab ich beim Kabel kein Funkloch oder andere Störer. Dem Kabel ist es ziemlich egal, ob es durch Stahlbeton geht oder nicht. Weiterhin gibt es zig verschiedene Technologien: ZigBee, Z-Wave oder EnOcean hier nur als Beispiele angeführt. Sollten wir später feststellen, dass etwas fehlt, können wir über die funkbasierte Variante nachrüsten, sollte die kabelgebundene Erweiterung nicht möglich sein.

Zweite zentrale Fragestellung: Properitäres System oder nicht? Properietäres System bedeutet, dass die Komponenten nur von einem Hersteller entwickelt werden. Dabei begibt man sich teilweise in die Abhängigkeit eines einzelnen Anbieters. Sollte dieser, aus welchen Gründen auch immer, irgendwann vom Markt verschwinden, sieht es im Problemfall mächtig düster aus. Ebenso kann dieser fleißig an der Preisschraube drehen wie er will. Hat man sich einmal entschieden, ist der Wechsel nicht ohne größeren Aufwand möglich.

Am Ende beschäftigte sich der Bauherr mit drei verschiedenen Systemen: Homematic Wired, Loxone und KNX. Nur gut, dass im Freundes- und Bekanntenkreis jedes System verbaut ist und demnach nach Feedback gefragt werden konnte und Erfahrungen ausgetauscht, ohne dass ein Vertriebler das eigene System in den Himmel lobte.
Nach Lesen zahlreicher Foren und Wälzen anderer Blogs, ergab sich folgendes Bild:

Anbieter Programmierung & Software Logik & Visualisierung Bedienung Funktionsweise # Hersteller / Partner
KNX ETS Gira Homeserver / EibPort / IP-Symcon / Wiregate / Raspberry Pi / iOBroker /etc. Software / Web-Client / App (über Visu-Server) / FHEM / OpenHAB / … (dezentral) / ereignisbasiert / Geräte besitzen gewisse „Intelligenz“ über 300
LOXONE LOXONE Config Miniserver Software / Web-Client / App (iOS / Android) zentral über den Miniserver 1 (proprietär)
Homematic Wired CCU2 (WebUI) CCU2 Software / Web-Client / App(Android/iOS)/ FHEM / OpenHAB / … (dezentral) / ereignisbasiert 1 (proprietär)

In Textform ist der Vergleich zwischen KNX und Loxone sehr gut von einem weiteren Roth-Bauherren aus Berlin verglichen worden. John hat da einen super Job bzgl. des Vergleiches gemacht! Danke an dieser Stelle.  Entscheiden tun wir uns am Ende jedoch anders:

Unser DumbHome soll durch KNX zum SmartHome werden. Hauptgründe dafür sind zum Einen die riesige Auswahl an Herstellern und zum anderen die nahe zu unzähligen Möglichkeiten in Bezug auf mögliche Umsetzungen. Wir möchten uns nur ungern in die Abhängigkeit zu einem einzigen Hersteller begeben. Die Investitionskosten sind hier wohl am Anfang etwas höher, jedoch relativiert sich dies mit zunehmender Größe der Anlage.
Dabei wollen wir uns nicht in die vollständige Abhängigkeit zu einem Elektriker begeben, sondern auch selbst aktiv mitwirken. Nichts wäre schlimmer, als bei jeder Kleinigkeit den Elektriker rufen zu müssen.
Dafür heißt es nun: KNX-User-Forum lesen und sich aktiv mit dem Thema beschäftigen. Sehr hilfreich und immer wieder positiv angeführt wird an dieser Stelle das Buch „Heimautomation mit KNX, DALI, 1-Wire und Co.: Das umfassende Handbuch.“ von Stefan Heinle erwähnt. Ein super Buch, dass die wichtigen Grundlagen vermittelt und Klarheit bezüglich der nahezu endlosen Möglichkeiten schafft. Ebenso enthält es super Anleitungen, wie Dinge umgesetzt werden können. Definitive Kaufempfehlung!

Wir sind gespannt, was uns der Spaß am Ende wohl kosten wird. Aussagen wie „Für KNX muss man mindestens mit 25k Euro einplanen“ sind viel zu pauschal und schrecken nur unnötig ab. Da der Bauherr aber auch selber mit Hand anlegen wird, sind wir gespannt, wo wir landen. Wahrscheinlich werden wir hier und da auch erstmal nur die Voraussetzungen schaffen, in dem wir Leer-Rohre vorsehen oder Kabel für Kontakte legen. Hauptsache wir müssen später keine Schlitze stemmen und Wände aufmachen.

 

Artikelbild: Tim Reckmann / pixelio.de